NZZ: Wenn Fliegen zur Qual wird. (Artikel vom 13.8.14)

Mit grosser Freude habe ich den unterstehenden Artikel zufällig in der NZZ gelesen.  Besonders gefreut hat mich natürlich das mein Freund und Kollege Dr. Norbert Preetz auch interviewt wurde. Da wir zusammen einige Seminare durchgeführt haben, arbeiten wir sehr ähnlich und ich kann seine Aussagen zu 100% bestätigen. Ich würde sogar noch etwas weiter gehen und bin der Überzeugung, dass ursachenorientierte Hypnose die einzige Methode ist mit der Ängste/Phobien nachhaltig aufzulösen, so dass es keine Angstverschiebung gibt. (Eine Angst ist weg, dafür kommt eine neue!). Bekannt ist ja auch, das sehr häufig Ängste wachsen und sich ausbreiten.

Es gibt aus meiner Erfahrung in der Praxis ganz verschiedene  Formen der Flugangst: Angst abzustürzen, Eingesperrt sein, keine Kontrolle zu haben, ausgeliefert zu sein, fremdländische Menschen, Terroristen, usw. Nun genug von mir. Unten finden sie den ganzen NZZ Artikel
Herzlichst
Hanspeter Ricklin

NZZ: Psychologie – Wenn Fliegen zur Qual wird

Hermann Feldmeier, Mittwoch, 13. August 2014
Der Link zum Artikel: http://www.nzz.ch/wissenschaft/wenn-fliegen-zur-qual-wird-1.18361586

Da Zeitungen den Zugang zu den Artikel manchmal sperren, hier eine Kopie vom original Text:

Ein Flugzeug besteigen zu müssen, ist für manche Personen ein Albtraum. Es gibt aber Möglichkeiten, eine solche Flugangst zu behandeln – etwa mit Computersimulationen oder Hypnose.

Der 35-jährige Ingenieur eines weltweit operierenden Schweizer Unternehmens sass in einer Zwickmühle. Gerade hatte ihm sein Chef eine deutlich bessere Position angeboten. Diese bedingte allerdings eine intensive interkontinentale Reisetätigkeit. Die Gehaltserhöhung von rund 18 000 Franken pro Jahr war verlockend, aber der Ingenieur litt unter Flugangst. Schon der Gedanke, in ein Flugzeug steigen zu müssen, verursachte bei ihm starke Beklemmungsgefühle. Angesichts des grossen Leidensdrucks verschob er die Entscheidung und beschloss, erst einmal nach einer Behandlungsmöglichkeit zu suchen.

Herzrasen und Kurzatmigkeit

Flugangst ist ein häufiges psychisches Phänomen. Nach Untersuchungen in verschiedenen Industrienationen leidet etwa jeder zehnte Erwachsene an einer solchen Aviophobie. Weitere 14 Prozent fliegen zwar regelmässig, empfinden dabei allerdings ein starkes Unbehagen.

Medizinisch-psychologisch gehört die Flugangst zur Gruppe der spezifischen Phobien vom situativen Typ. Hiervon spricht man, wenn die Angst nur in ganz spezifischen Situationen – etwa im Flugzeug – auftritt. Der Stress führt zu einer Überaktivierung des autonomen Nervensystems und hierdurch ausgelösten, charakteristischen Symptomen, etwa Herzrasen, Schweissausbruch, Kurzatmigkeit, Mundtrockenheit, Zittern, Schwindel, Bauchschmerzen und Muskelkrämpfe. Da sich diese Reaktionen nicht beherrschen lassen, steigert sich das Angstgefühl teilweise bis zur Panik.

Zu einem völligen Kontrollverlust kann es kommen, wenn der Betroffene Alkohol konsumiert – was etwa jeder Zehnte zugibt – oder bestimmte Medikamente einnimmt: Dann wird er auffällig, spricht laut und bewegt sich unruhig auf seinem Sitz. Manchmal genügen einige beruhigende Worte oder der Wechsel auf einen weniger beengten Platz, um den Betroffenen zu beruhigen. Hilft das nicht, kommen angstlösende Mittel aus dem Doctor’s Kit des Flugzeugs zum Einsatz.

Auch andere Ängste

Psychologen unterteilen die Aviophobie nach den Inhalten der Angst und der Art, wie diese erlebt wird. Oft steht eine Höhenangst oder Angst vor Enge (Klaustrophobie) im Vordergrund. Andere fühlen sich der Technik, dem Piloten oder den Unbilden der Lüfte ausgeliefert. Wieder andere erinnern sich an angstbesetzte Ereignisse beim Fliegen – selbsterlebte oder solche, die sie im Fernsehen oder im Kino gesehen haben. Nahezu immer dominiert das Gefühl, in eine unkontrollierbare Lage zu geraten.

«Flugangst ist häufig mit anderen Ängsten vergesellschaftet», sagt Karin Meischner, Ärztin beim flugmedizinischen Dienst der Lufthansa. Laut einer älteren Untersuchung leiden 43 Prozent der Betroffenen zusätzlich an Klaustrophobie, rund 50 Prozent auch an Höhenangst, und etwa jeder Dritte fürchtet sich vor Menschenansammlungen (Agoraphobie).

Während natürliche Angst dazu dient, bedrohliche Situationen zu vermeiden, ist die Phobie eine übertriebene Angstreaktion auf objektiv ungefährliche, subjektiv aber als bedrohlich empfundene Reize – etwa die Fahrt im Aufzug oder die Durchquerung eines Tunnels. Menschen mit solchen Angststörungen unternehmen daher alles, um die Stresssituation zu vermeiden.

Da die Aviophobie potenzielle Passagiere vom Fliegen abhält, für das Bordpersonal zudem eine Belastung darstellt, bieten die grossen Airlines spezielle Seminare an, in denen die Teilnehmer lernen, den Teufelskreis aus Angst, unkontrollierbaren Körperreaktionen und weiter steigender Angst zu durchbrechen. Vermittelt werden darin die technischen Hintergründe des Fliegens, aber auch psychologisches Wissen über die Entstehung von Ängsten. Meist enden die Seminare mit einem Flug in Begleitung eines Psychologen. Behandelt werden Phobien meist mit verhaltenstherapeutischen oder tiefenpsychologischen Ansätzen. Eine Sonderform der Verhaltenstherapie ist die Expositions- oder Konfrontationstherapie. Dabei wird der Patient dem angstauslösenden Stimulus erst in geringer, dann in immer stärkerer Intensität ausgesetzt: Bei Personen mit Flugangst beginnt man etwa mit dem Betrachten von Fotos, die ein Flugzeug auf einem Rollfeld zeigen. Später könnten sich Therapeut und Patient Flugzeuge aus sicherer Entfernung ansehen und schliesslich ein Flugzeug betreten.

Der gegenteilige Ansatz besteht in der massiven Anflutung von angstauslösenden Reizen – und zwar so lange, bis diese keine Angstreaktionen mehr auslösen. «Das sogenannte Flooding ist ein extrem riskantes Verfahren», sagt Norbert Preetz, Psychologe aus Magdeburg und Autor vieler Fachpublikationen. «Denn es birgt die Gefahr, dass die hinter der Angst stehenden traumatischen Ereignisse wachgerufen werden. Das ist für den Patienten eine massive emotionale Belastung.»

Therapeutische Optionen

Weniger zeit- und personalaufwendig und daher kostengünstiger ist ein Verfahren, bei dem die Betroffenen die Reize nicht real, sondern virtuell erleben. Die Virtual Reality Exposure Therapy, kurz VRET, versetzt den Patienten in eine computergenerierte Welt, in der – ähnlich wie in einem Flugsimulator für Piloten – unterschiedliche Flugsituationen mit variierenden optischen, akustischen und kinetischen Effekten durchgespielt werden können.

Laut dem Psychologen Andreas Mühlberger von der Universität Regensburg, Autor mehrerer Studien über die Behandlung von Flugangst mit VRET, könnten viele Patienten schon nach einmaliger Anwendung dieser Methode ohne Begleitung fliegen. Offen ist bis anhin aber, ob das Verfahren eine Aviophobie auf Dauer beheben kann. Demgegenüber verfügt Preetz über viel Erfahrung mit einem anderen therapeutischen Verfahren: der Hypnose. «Diese hat den grossen Vorteil, dass man Phobien mit komplexen Ursachengeflechten in kurzer Zeit erfolgreich behandeln kann», so der Magdeburger Psychologe. «Da Flugangst sehr häufig mit anderen Phobien einhergeht, kann man in dem veränderten Bewusstseinszustand, der in der Hypnose erreicht wird, die zugrunde liegenden Störungen nacheinander erkennen und inaktivieren.» Preetz hat bereits mehrere hundert Flugangst-Betroffene behandelt und laut eigenen Aussagen in nahezu allen Fällen eine komplette Heilung erreicht.

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