Milton H. Erickson

1901-1980

Milton Hyland Erickson wurde am 05.12.1901 als zweites Kind von Albert und Clara Erickson in Aurum, Nevada (USA) geboren. Mit fünf Jahren zog er mit seiner Familie nach Lowell in Wisconsin, wo er die Grund- und Hauptschule besuchte. Der unter Legasthenie leidende Schüler galt lange Zeit als geistig zurückgeblieben, durch das mentale Visualisieren schwieriger Buchstaben konnte er seine Leseschwäche jedoch erfolgreich überwinden.

Nach dem Abschluss der Highschool im Jahr 1919 erkrankte Milton Erickson schwer an Kinderlähmung: Er lag drei Tage lang im Koma und war nach dem Erwachen fast vollständig gelähmt. Bewegungsunfähig machte er einige Zeit später die Entdeckung, dass alleine die Kraft der Vorstellung seinen Schaukelstuhl zum Schwingen bringen konnte. Nach dem ideomotorischen Prinzip intensivierte er seine Imaginationen und arbeitete stetig an der Wiedererlangung seiner Muskelkraft. Bereits nach einem Jahr konnte Erickson an Krücken gehen und die Universität besuchen. Noch war er körperlich sehr schwach, was ihn aber nicht daran hinderte, gegen den Rat seiner Ärzte eine 1.200 Meilen lange Kanufahrt auf dem Mississippi in Angriff zu nehmen. Aus dieser Herausforderung ging er körperlich so gestärkt hervor, dass er fortan auf die Krücken verzichten konnte und nur noch an leichtes Hinken an die Erkrankung erinnerte.

Während seines weiteren Studiums der Medizin und Psychologie befasste sich der wissbegierige Student eingehend mit Hypnose. Im Gegensatz zu den bis dahin vorherrschenden Standardmethoden entwickelte er Techniken, bei denen individuell auf den Patienten eingegangen werden konnte. Zudem stellte er das Unbewusste als unerschöpfliche Quelle positiver Kräfte heraus, die zur Steigerung von Selbstheilung und Kreativität genutzt werden konnten. Damals noch unbekannt, stellten sich diese Ansätze später als wegweisend für die Hypnose- und Familientherapie der Zukunft heraus.

Im Jahr 1925 heiratete Erickson zum ersten Mal, aus dieser Ehe gingen drei Kinder hervor. 1928 schloss er das Studium der Psychologie und Medizin ab, bis zum Jahr 1934 stieg er zum leitenden Psychiater des Worcester State Hospitals in Worcester (Massachusetts) auf. Als weitere Stationen folgten die Tätigkeit als Direktor für Forschung und psychiatrische Ausbildung am Wayne Country General Hospital in Eloise (Michigan)sowie eine ordentliche Professur für Psychiatrie an der medizinischen Fakultät der Wayne State Universität in Detroit (Michigan), die er bis zum Jahr 1948 innehatte. Die Approbation als Facharzt für Psychiatrie legte Milton Erickson im Jahr 1939 ab.

Seine erste Ehe wurde 1935 geschieden, in der 1936 geschlossenen zweiten Ehe wurden weitere fünf Kinder geboren. Gesundheitliche Gründe zwangen den „Meister der Hypnose“ 1948 zum Umzug nach Phoenix (Arizona), wo er eine psychotherapeutische Privatpraxis aufbaute. Einen weiteren Schwerpunkt seiner Arbeit bildeten Hypnoseworkshops und Lehrveranstaltungen in den USA und Südamerika – seine Vortragsreisen setzte er auch nach der Erkrankung mit dem Post-Polio-Syndrom 1953 fort. Weitere Meilensteine stellten die Gründung der American Society of Clinical Hypnosis im Jahr 1957 sowie des American Journal of Clinical Hypnosis dar, als dessen Herausgeber Milton Erickson bis 1968 fungierte.

Ab dem Jahr 1969 verschlechterte sich sein Gesundheitszustand stetig, er musste sowohl seine Vortragsreisen als auch seine Praxis aufgeben. Gezeichnet vom erneuten Auftreten seiner Polio-Erkrankung starb der Begründer der modernen Hypnosetherapie am 25.03.1980 in seinem Haus in Phoenix, in dem er noch bis wenige Tage vor seinem Tod Lehrseminare abgehalten hatte.