Chronische Entzündungen. Wenn es im Körper ständig glüht.

Da leider viele menschen diesen Artikel in der Sonntagszeitung nicht gelesen oder gesehen haben, erlaube ich mir den Artikel hier zu besprechen und noch einmal zu publizieren.

Die Sicht aus der Perspektive eines Hypnosetherapeuten

Interessant finde ich, dass es aus der Sicht der Autoren nur zwei Lösungswege aufgezeigt werden: Bewegung und abnehmen/Ernährungsumstellung! Eigentlich ganz einfach oder etwa nicht? Leider haben viele Menschen genau damit grosse Schwierigkeiten. Das geht leider meist gar nicht so einfach. Da sind spielen Gefühle im Hintergrund eine grosse Rolle. Da wären aber auch noch, chronischer Stress und Schlafstörungen. Nur damit wir uns richtig verstehen, die Vorschläge sind wirklich gut und werden auch helfen wenn man sie umsetzen kann. Stress, Schlafstörungen, Gewichtszunahme, falsche Ernährung und zu wenig Bewegung haben ganz viel mit Gefühlen zu tun. Also mit der Psyche der Menschen. Da jeder Mensch eine eigene Geschichte hat reagiert jeder einzigartig auf Situationen. Ja, daran kann man erfolgreich arbeiten. Psychologen und Hypnosetherapeuten werden ihnen dabei helfen können. Stress, Schlafstörungen, soziale Isolation, Übergewicht und falsche Ernährung sind die Themen die Sie beim Hypnosetherapeuten Ihrer Wahl schon nach 1-3 Sitzungen gelöst haben sollten.
Natürlich können Sie das Meiste auch selber erreichen, wenn Sie über einen starken Willen verfügen um diese Änderungen umzusetzen.

Erfolg hat drei Buchstaben: Tun!


Im Artikel wird von Entzündungshemmer und Cholesterinsenker abgeraten. Ich bin gegen diese Generalisierung. Sprechen Sie mit ihrem Arzt. Er wird Ihnen nach Möglichkeit empfehlen sich mehr zu bewegen und gesünder zu essen. Vielleicht ist auch hier der erfolgreiche Weg, Schulmedizin mit Hypnosetherapie zu kombinieren. Wenn eine Besserung eintritt können Sie die Medikamente reduzieren und ausschleichen.

Herzlich Ihr Hanspeter Ricklin

Hier der Artikel aus der SonntagsZeitung vom 8. August 2021

Wenn es im Körper ständig glüht

Chronische Entzündungen sind für mehr als die Hälfte aller Todesfälle mitverantwortlich. Es gibt zwei gute Mittel dagegen
Nik Walter

Brennt in einem Menschen das «innere Feuer», ist das durchaus eine positive Eigenschaft. Betrachtet man die gleiche Metapher allerdings von einer anderen Seite und macht aus dem inneren Feuer einen schwach, aber beständig lodernden «inneren Schwelbrand», dann dreht sich das Ganze ins Negative. Denn die damit gemeinten chronischen Entzündungen sind eines der am stärksten unterschätzten gesundheitlichen Probleme überhaupt: Sie sind für mehr als die Hälfte aller Todesfälle weltweit mitverantwortlich, wie ein internationales Forscherteam vor gut anderthalb Jahren in einem Übersichtsartikel im Fachblatt «Nature Medicine» schrieb.

Die Liste der mit chronischen Entzündungen assoziierten Krankheiten ist lang. Sie beginnt bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall, geht weiter über Diabetes, Krebs, die nicht-alkoholische Fettleber, chronisches Nierenversagen, Autoimmunkrankheiten bis hin zu neurodegenerativen Leiden wie Parkinson oder Alzheimer. All diese Krankheiten und noch einige mehr stehen irgendwie im Zusammenhang mit chronischen Entzündungen oder, wie man auch sagt: mit stillen Entzündungen.

Es beginnt meistens im Fettgewebe oder im Darm

Und da liegt die Crux: «Das Tückische an der stillen Entzündung ist ihre Stille», schreibt der Ernährungswissenschaftler Paolo Colombani in seinem neuen Buch «deFlame You! – Löschen Sie Ihren inneren Schwelbrand». Man bemerke sie lange nicht, fühle sich eigentlich gesund. «Sie ist trotzdem relevant», sagt Colombani, «denn die stille Entzündung ist ein frühes Alarmzeichen für etwas, das noch kommen wird.» Es sei daher dringend nötig, dass dieser innere Schwelbrand in der Bevölkerung besser bekannt werde, sagt Colombani. Dafür habe er das Buch geschrieben.

Entzündungen sind per se nichts Schlechtes. Sie sind im akuten Fall sogar überlebenswichtig, wenn es zum Beispiel darum geht, bei einer Verletzung die Heilung anzukurbeln oder bei einer Infektion den Erreger zu bekämpfen. In einer solchen Situation schütten Zellen des Immunsystems, meist sind es sogenannte Makrophagen, entzündungsfördernde Botenstoffe aus. Mit dem Start der Entzündungsreaktion wird aber auch gleich deren Ende initiiert. Denn die Auflösung einer akuten Entzündung ist ebenfalls ein aktiver Prozess, wie man heute weiss, und nicht einfach ein passives Abklingen.

Problematisch wird es, wenn die Entzündung nicht vollständig abklingt, sondern auf kleinem Feuer weiterköchelt. Die Entzündungsbotenstoffe zirkulieren dann über die Blutbahnen durch den Körper und können alle Gewebe schädigen. Laut Colombani nimmt eine chronische Entzündung in den meisten Fällen ihren Anfang im Fettgewebe oder im Darm. Es sind dabei die in diesen Geweben residierenden Makrophagen, die aus dem Gleichgewicht geraten und vor allem entzündungsfördernde Botenstoffe absondern. Im gesunden Zustand produzieren Makrophagen auch entzündungshemmende Substanzen.

Eine ganze Reihe von Faktoren können eine stille Entzündung auslösen. Dazu zählen chronische Infektionen wie etwa Borreliose oder Hepatitis C, körperliche Inaktivität, Übergewicht, eine gestörte Darmflora, aber auch Fremdstoffe aus der Umwelt wie etwa Zigarettenrauch, Luftverschmutzung oder Asbest. Und einige mehr. All diesen Faktoren gemeinsam ist, dass sie die Makrophagen in den verschiedenen Geweben anregen, entzündungsfördernde Botenstoffe abzusondern und so die stille Entzündung zu verstärken.

Ein einfacher und günstiger Test gibt Aufschluss

Weil sich die stille Entzündung nicht bemerkbar macht – ähnlich etwa wie Bluthochdruck oder erhöhtes Cholesterin -, ahnen die wenigsten Menschen, dass in ihnen ein Problem schwelt. Dabei kann man die Entzündung mit einem relativ einfachen Test bestimmen. Dieser misst die Menge des in der Leber gebildeten C-reaktiven Proteins (CRP) im Blut. Der Test auf dieses Entzündungseiweiss wird beispielsweise bei akuten Infektionen schon lange eingesetzt: Bei bakteriellen Infekten schnellt der Wert regelrecht in die Höhe, bei viralen Infektionen ebenfalls, aber nicht so stark. Werte unter 10 Milligramm pro Liter (mg/l) respektive 5 mg/l gelten dagegen vielerorts als «normal».

Nur: Diese Sichtweise ist überholt. Der CRP-Wert sagt nämlich nicht nur etwas über akute Entzündungen aus, sondern auch über die stillen. Und zwar in jenem Bereich von unter 10 mg/l, der lange als «normal» galt. Heute weiss man, dass Werte von 1 mg/l bis 10 mg/l nicht normal sind, sondern eine stille Entzündung widerspiegeln. Laut Colombani sind erst Werte unter 1 mg/l oder gar unter 0,5 mg/l wirklich unbedenklich. Um die CRP-Werte in diesem Bereich zu messen, braucht es hochsensitive Analysegeräte, man spricht daher von hsCRP.

Allerdings wird in den Arztpraxen kaum je ein hs-CRP-Wert gemessen. Zum einen, weil sich laut Colombani viele Ärzte noch nicht wirklich damit befasst haben. Es gebe aber noch einen weiteren Grund: «Ein Hausarzt sagte mir, ein solcher Test sei nicht angebracht, weil hs-CRP ein unspezifischer Marker und daher die Ursache bei einem erhöhten Wert nicht klar sei.» Laut Colombani ist dies aber kein Grund, das hs-CRP nicht zu messen. Bei einem auffälligen Wert könne man etwa ein halbes Jahr später nochmals messen. «Wenn der hs-CRP-Wert dann gleich hoch oder höher ist, dann hat es einen Grund, und es macht Sinn, dem nachzugehen.» Sowieso, für Colombani gehören hs-CRP-Messungen ab einem gewissen Alter zu einem Routinecheck.

Denn mittlerweile ist auch klar: Je höher der hsCRP-Wert, desto grösser das Risiko für bestimmte Erkrankungen. Am deutlichsten ist dieser Zusammenhang für Herz-Kreislauf-Krankheiten belegt. Laut Colombani nimmt das Risiko, an einem Herzleiden zu erkranken, mit steigendem hs-CRP-Wert zu, und zwar von 0,5 mg/l bis 20 mg/l. Kommt dazu, dass die stille Entzündung respektive der hs-CRP-Wert etwa ab dem 30. Lebensjahr sowieso langsam, aber stetig ansteigt – wenn man nichts dagegen unternimmt.

Auf Entzündungshemmer und Cholesterinsenker verzichten

Und nun kommt die gute Nachricht: Man kann selber etwas machen, um die stille Entzündung einzudämmen. Die Rezepte dafür sind zwar nicht besonders originell, aber laut Colombani sehr effektiv: viel Bewegung sowie eine ausgewogene Ernährung, basierend auf der Mittelmeerkost. Und vor allem: Mit den vorgeschlagenen Massnahmen senkt man gleichzeitig das Risiko für viele verschiedene Krankheiten. Von einer medikamentösen Therapie, etwa mit Cholesterinsenkern oder Entzündungshemmern, rät Colombani wegen den Nebenwirkungen dagegen ab.

Bewegung: «Langfristig führt kein Weg zur Kontrolle der stillen Entzündung am Fettgewebe vorbei. Das Ziel ist ein bewegtes Fettgewebe, egal, wie viel Fett vorhanden ist», schreibt Colombani. Denn wer sich genügend bewegt, verändert damit auch die Zusammensetzung der Makrophagen im Fettgewebe. So dominieren bei Menschen, die sich nur wenig bewegen, die «schlechten» Makrophagen, die entzündungsfördernde Botenstoffe produzieren. Umgekehrt sind bei körperlich aktiven Menschen die «guten» entzündungshemmenden Makrophagen in der Überzahl. Das Fazit: Mehr Bewegung, weniger stille Entzündung.

Ernährung: Sie ist der zweite wichtige Pfeiler bei der Bekämpfung des inneren Schwelbrands. Weil Übergewicht dafür ein wichtiger Risikofaktor ist, rät Colombani betroffenen Menschen in einem ersten Schritt zum Abnehmen. Da könne auch ein Mahlzeitenersatz, wie er in Drogerien oder Apotheken erhältlich ist, gute Dienste leisten. «Die Fakten sprechen eindeutig dafür.»

Langfristig müsse aber eine Ernährungsumstellung das Ziel sein, sagt Colombani. Und zwar auf eine «mediterrane Diät» mit viel Olivenöl, frischem Gemüse, Fisch, Fleisch, Nüssen. Es sei erwiesen, dass Menschen, die sich optimal mediterran ernährten, ein um 60 Prozent geringeres Sterberisiko hätten als Menschen, die sich überhaupt nicht mediterran ernährten. Colombani zitiert u. a. eine grosse Vergleichsstudie aus dem Jahr 2018. Demnach konnten jene Probanden, die sich in der fünf Jahre dauernden Studie vorwiegend mediterran ernährten, ihren hsCRP-Wert in etwa halbieren. Bei der Kontrollgruppe stieg dieser Wert in den fünf Jahren hingegen um 30 Prozent.

Paolo Colombani: «deFlame You! – Löschen Sie Ihren inneren Schwelbrand». E-Book, 29.90 Fr., www.colombani.ch

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